Präsident im Armenhaus

16.01.2003

In Ecuador trat Lucio Gutierrez sein Amt an. Auf den Linkspolitiker wartet ein durch Korruption und verfehlte Wirtschaftspolitik ruiniertes Land.


KLAUS EHRINGFELD


QUITO (SN).

Der neue ecuadorianische Präsident Lucio Gutierrez will die Korruptions- und Armutsbekämpfung in den Mittelpunkt seines vierjährigen Mandats stellen. Dies sagte der 45 Jahre alte Ex-Oberst kurz vor seinem Amtsantritt am Mittwoch. "Meine Regierung wird auf der einen Seite herzlich und verbindlich und auf der anderen Seite energisch und frontal sein", betonte er. Er werde ein neues Ecuador auf der Grundlage starker moralischer Werte schaffen, sagte Gutierrez vor seiner Vereidigung am Mittwoch. Der armen Bevölkerung des südamerikanischen Landes versprach er soziale Gerechtigkeit.

Gutierrez ist nach Lula da Silva in Brasilien bereits der zweite Linkspolitiker, der in diesem Jahr ein südamerikanisches Land übernimmt. Er war Ende November mit deutlicher Mehrheit gewählt worden. Sein größtes Plus ist, dass er nicht dem traditionellen Parteienapparat entstammt, dessen Vertreter Misswirtschaft und eine verfehlte neoliberale Wirtschaftspolitik zu verantworten haben. Der neue Staatschef wird vor allem von den Gewerkschaften, den linken Parteien und den starken Verbänden der Indios unterstützt.

Gutierrez erwarten schwere Aufgaben. Der Andenstaat ist neben Bolivien das Armenhaus Südamerikas und leidet noch immer unter den Nachwirkungen einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt im Jahr 2000 mit Hyperinflation, Zahlungsunfä-higkeit und dem Zusammenbruch der Banken erreicht hatte. Daraufhin stürzten Militärs und Indios unter Führung von Gutierrez den Präsidenten Jamil Mahuad.

Dessen Nachfolger Gustavo Noboa schaffte die Landeswährung Sucre ab und machte den US-Dollar zum Zahlungsmittel. Dies brachte zwar makroökonomische Stabilität, vertiefte aber soziale Grä-ben. Die Lebenshaltungskosten haben sich seither fast verfünffacht und erreichen mitunter US-Niveau. 70 Prozent der Ecuadorianer leben laut Angaben der UNO unterhalb der Armutsgrenze. Jährlich verlassen rund 20.000 Menschen das Land. Ihr Ziel: die USA.

Spätestens am 15. Februar will Gutierrez mit dem Internationalen Währungsfonds IWF ein Abkommen unter Dach und Fach haben. Ohne Hilfe des Fonds kommt das mit fast 15 Milliarden Dollar verschuldete Land kaum auf die Füße. Doch der Fonds verlangt als Vorbedingung Haushaltskürzungen in Höhe von 500 Millionen Dollar. Wie Gutierrez dann noch die Armut bekämpfen will, hat er nicht verraten.

SN

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